O rei dos ratos no Brasil

Zweiter Workshop

(Sämtliche Bilder in diesem Artikel, das Titelbild eingeschlossen, stammen von Florian Boccia.)

Jetzt, da die Residenz leider bereits vorüber ist, kann ich mit Sicherheit sagen, was eines unserer absoluten Highlights in Salvador war: unser zweiter Workshop.

Für die Deutsche Botschaft in Brasília haben wir einen Workshop zum Thema Klimawandel veranstaltet, den wir im Goethe-Institut (in Ute Engelkes Refugium, der Bibliothek) wiederholt haben. Wieder 6 Stunden, allerdings mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad: diesmal mit 16 Leuten und alles auf Portugiesisch.

Mit einem Riesen-Dank an Elena Froés, die für uns übersetzt hat – und außerdem aus über 60 Anmeldungen eine so diverse Vorauswahl getroffen hat. Die Diversität ist im Workshop wirklich elementar, weil dadurch auch wirklich unterschiedliche Ideen eingebracht werden. Dadurch hatten wir nicht nur Spieleentwickler – mein Angstgegner, weil ich immer befürchte, dass ich einem Game Designer nichts mehr beibringen kann. Aber so war für die meisten ein Fokus auf schwierige Themen und die Auseinandersetzung damit tatsächlich etwas Neues. Von daher … umsonst Panik geschoben, dass die Inhalte vielleicht langweilen könnten. Umso wichtiger, dass die Gruppe im Workshop mit Teilnehmern aus unterschiedlichen Bereichen besetzt ist, wie diesmal mit Filmemachern, Aktivisten, Lehrern und Psychologen.

Wir mit Elena.

Im Übrigen können die meisten Brasilianer sehr wohl Englisch. Aber sie fühlen sich dabei nicht wohl, wie jeder, der das Sprechen kaum trainieren kann. Meine Erfahrung nach zwei Monaten Brasilien: Nur weil Leute nicht sofort auf dein Englisch reagieren, heißt nicht, dass sie es nicht sprechen – die sind einfach schüchtern. Und wenn sie dann sprechen, entschuldigen sie sich lieber 20-mal für ihr schlechtes Englisch.
Aber ganz ehrlich: Mit schlechtem Englisch zu kommunizieren ist tausendmal angenehmer, als immer auf die Übersetzung zu warten, auch wenn es oft nicht ohne geht, sobald die Themen komplexer werden oder wenn wir uns dann mit unseren zwei Verben in 1. Person Singular auf Portugiesisch durchschlagen müssen.

Unseren Workshop hatte ich ja im Post über Brasília ein wenig beschrieben. Ein paar Dinge haben wir noch spontan angepasst. Statt die Teilnehmer mit den Vorteilen und Problemen von Games über ernsthafte Themen zu langweilen – das geht ohnehin im Prozess der Entwicklung unter und braucht mehr Routine als Entwickler um wirklich darauf einzugehen – haben wir mit den Teilnehmern über Spielmethoden gebrainstormt.

Außerdem haben wir nicht erst in der Einzelbesprechung darauf hingewiesen, dass Skizzen eine ganz schön gute Idee zur Präsentation der eigenen Idee sind, sondern eine Runde eingesetzt, wo sie ihre Umwelt-Problematik ohne Zuhilfenahme von Worten nur mit Bildern präsentieren sollten. Sowas simples. Als Designer halte ich mit Skizzen alles fest, woran ich arbeite. Ich hab nie drüber nachgedacht, dass das ein Skill ist, auf den nicht unbedingt jeder automatisch zurückgreift und ein A4-Zettel voll Text als Präsentationsmittel naheliegender erscheint.

Genau wie der Hinweis einen Würfel einfach zu basteln, wenn keiner vorhanden ist, oder ein paar Spielkarten nicht nur theoretisch zu konzipieren, sondern auch zu malen, wurde mit Begeisterung umgesetzt und hat die ganze Präsentation und Spielentwicklung aufgewertet – obwohl die Teilnehmer weniger als 2 Stunden Zeit hatten ihr Konzept präsentationsreif zu bekommen.

Wie schon beim letzten Mal war es faszinierend, wie aus wirklich schüchternen Teilnehmern selbstbewusste Teams wurden, die alle wirklich spannende Spiele präsentiert haben.
Wir konnten zeigen, wie man mit Spielen selbstbewusster wird, auf Themen aufmerksam machen kann, lernt sich zu fokussieren und Aufgaben im Team zu teilen und später an die anderen Gruppen zu kommunizieren.
6 Stunden sind intensiv und extrem anstrengend – aber wir hätten wirklich Lust sowas mal in Deutschland auszuprobieren.

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